Ethik

Bei der Behandlung von Menschen, die sich mit körperlichen oder psychischen Erkrankungen (das Psychotherapeutengesetz spricht von der Psychotherapie als einer Tätigkeit "zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Störungen mit Krankheitswert, bei denen Psychotherapie indiziert ist" ) werden grundsätzliche Fragen der Ethik berührt. Neben dem vielzitierten (jedoch im Wortlaut wenig bekannten) und mehr als 2000 Jahre alten Eid des Hippokrates (ca. 460-370 v. Chr.) existieren verschiedene weitere standes- und berufsrechtlicher Regelungen, darunter beispielsweise:

Psychotherapie als eine systematische Behandlungsmethode psychischer Symptome ist eine noch relativ junge Disziplin, die sich im vorletzten Jahrhundert (Ende 19. bis Anfang 20. Jahrhundert) zu etablieren begann. Diskussionen um ethische Fragen setzten erst sehr spät (1960er bis 70er Jahre), im Zusammenhang des Bekanntwerdens sexueller Übergriffe in Psychotherapien, ein. Ethisch-berufsrechtliche Regelungen existieren heute vor allem als

Hinweise auf die Verletzung ethischer und berufsrechtlicher Grundsätze

Kommt es innerhalb einer Therapie (oder auch nach einer Therapie) zu einer sexuellen Beziehung oder sexuellen Handlungen (gleich welcher Art und unabhängig davon, ob die Initiative von Ihnen oder Ihrer/m Psychotherapeutin/en ausgegangen ist) zwischen TherapeutIn und PatientIn, so macht sich die/der Behandler eines berufsrechtlichen Vergehens schuldig, das zu berufsrechtlichen (Entzug der Zulassung, Approbation), strafrechtlichen (§ 174c StGB) und zivilrechtlichen Konsequenzen (Schadensersatz, Schmerzensgeld) führen kann. Bestimmte Verhaltensweisen deuten auf die Verletzung ethischer Grundsätze hin. Beispielsweise, wenn die/der PsychotherapeutIn

In solchen Fällen sollten Sie sich unbedingt Rat suchen, um sich klar zu werden, ob und gegebenenfalls welche berufsrechtliche Pflichten von der/dem Psychotherapeutin/en verletzt wurden und Informationen zu erhalten, wie Sie sich wehren können. Häufig ist es bereits hilfreich, sich in der Verletzung der eigenen Integrität von einer aufgesuchten unabhängigen Vertrauensperson verstanden zu fühlen. Die Anerkennung der Grenzüberschreitung durch eine/n professionelle/n Dritte/n oder auch durch die beschuldigten TherapeutInnen ist häufig ein wichtiger Schritt, um das verlorengegangene Vertrauen wieder aufbauen zu können und ggf. eine weitere Psychotherapie (bei einer/m anderen Psychotherapeutin/en) beginnen zu können.

Institutionen, an die Sie sich wegen der Verletzungen ethischer und/oder berufsrechtlicher Grundsätze wenden können.

Nach den Heilberufekammergesetzen (Zuständigkeit der Bundesländer) überwachen die Kammern für Heilberufe die Einhaltung der jeweiligen Berufsordnungen. Zuständig sind die jeweiligen Landeskammern wenden. Für Bayern sind das die

Soweit die PsychotherapeutInnen Mitglied einer Fachgesellschaft, eines Fachinstituts oder Berufsverbands sind (solche Angaben finden Sie häufig auf dem Praxis-Briefkopf, auf dem Praxisschild oder der Homepage der PsychotherapeutInnen) können Sie auch hier um Hilfe bitte. Inzwischen haben nahezu alle (jedenfalls die seriösen) Institutionen eine entsprechende Anlaufstelle für PatientInnen (z.B. Vertrauensleute und/oder Schlichtungsstelle). Nicht immer gibt es dort die Möglichkeit, sich zunächst anonym (ohne Nennung des eigenen Namens oder der/des betroffenen Psychotherapeutin/en) zu informieren. Zudem sind die Möglichkeiten einer Ahndung ethischer Grenzverletzungen begrenzt. Als Vereine können die Institutionen nahezu keine Sanktionen verhängen. Das letzte Mittel (Vereinsausschluß) ist meist wenig abschreckend, da viele Vereinsmitglieder bereits im Vorfeld einer Untersuchung aus dem Verein austreten. Damit endet dann auch das vereinsrechtliche Verfahren. Im Gegenzug habe allerdings viele Vereine (Ausbildungsinstitute, Berufs- und Fachgesellschaften) ihre Satzung dahingehend verändert, daß der Austritt jeweils nur zum Ende des Jahres erfolgen kann - so daß das Verfahren dann formal noch durchgeführt werden kann.

Vorsicht: Unter Juristen ist umstritten, ob die Angehörigen der jeweiligen Vereinsgremien (Vertrauensleute, Vertrauensanalytiker etc.) der strafrechtlichen Schweigepflicht unterliegen. Versichern Sie sich unbedingt vor einer Inanspruchnahme, daß die Schweigepflicht (wenigstens vereinsrechtlich) gesichert ist.

Insgesamt ist die Situation noch immer sehr unbefriedigend. Die Psychotherapeuten- und Ärztekammern sind bislang nicht in der Lage, ein den spezifischen Interessen und Problemen der von ethischen Grenzverletzungen betroffenen PatientInnen angemessenes, niederschwelliges (ggf. auch mit der Zusicherung der Anonymität) Angebot zu machen (z.B. im Rahmen von Ombudspersonen). Auch deshalb hat sich der bundesweit tätige Verein "Ethik in der Psychotherapie" gegründet, an den sich betroffene PatientInnen (aber auch psychotherapeutisch tätige Personen, die entsprechende Fragen haben) - ohne daß Kosten entstehen - wenden können.

Anmerkung 5/2014: Nach langem Ringen wird die Psychotherapeutenkammer Bayern künftig (voraussichtlich ab 2015) ein von der Verwaltung der PTK organisatorisch und personell getrenntes, niederschwelliges Beratungsangebot machen, das PatientInnen zur Verfügung. Die Beratungen sollen von (durch die Delegiertenversammlung der PTK Bayern) gewählten KollegInnen (Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen und Psychologische PsychotherapeutInnen) durchgeführt werden.

Weiterer Ansprechpartner für Beschwerden können die Kassenärztlichen Vereinigungen (Einhaltung der sozialrechtlichen Pflichten der an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmenden ÄrztInnen und PsychotherapeutInnen), die Krankenkassen (Vertretung der Rechte der Versicherten), sowie die Landesministerien für Gesundheit (Aufsicht der MitarbeiterInnen von Universitätskliniken) sein. Allerdings werden die genannten Institutionen Beschwerden an die zuständige Kammer weiterleiten oder Sie bereits im Vorfeld auf deren Zuständigkeit hinweisen.

Seit Anfang 2007 besteht die Unabhängige Patientenberatung, ein Zusammenschluß des Sozialverband VDK Deutschland e.V., der Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. und des Verbunds unabhängige Patientenberatung e.V. Hier können Sie ein persönliches  Beratungsgespräch in einer der 22 regionalen  Beratungsstellen in Anspruch nehmen.

Literaturhinweis:

Sonstige Literatur zum Thema Ethik im Sonderbereich (aus urheberrechtlichen Gründen nur mit Passwort).

Vorlesung (LMU) "Psychoanalytische Haltung: Neutralität, Abstinenz, ethische Fragen (21.05.14)

nach oben


Praxis für Psychoanalyse und Psychotherapie - Dr. Jürgen Thorwart

Startseite I Suche I  Kontakt I Impressum