Praxisangebot

Nachfolgend erhalten Sie Informationen über die in meiner Praxis angebotenen Therapieverfahren (ausschließlich Erwachsene ab dem vollendeten 18. Lebensjahr).

insbesondere bei:

Was geschieht in der tiefenpsychologisch fundierten bzw. analytischen Psychotherapie?

In der Bevölkerung aber auch bei vielen ÄrztInnen und anderen Gesundheitsberufen kursiert der Begriff Gesprächstherapie. Tatsächlich ist die Gesprächspsychotherapie ein eigenständiges Therapieverfahren (begründet von C. Rogers), das kürzlich in der Bundesrepublik wissenschaftlich anerkannt worden ist, jedoch nicht als Verfahren im Rahmen der Psychotherapierichtlinien zugelassen ist. Richtig ist, daß das Gespräch ein zentraler Bestandteil der analytischen und tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie ist.

Im Zentrum dieser Behandlungsformen steht die Hypothese, daß die gegenwärtigen Störungen oder Symptome Ausdruck eines unbewußten Konfliktes sind, der seinerseits im Zusammenhang mit früheren Lebenserfahrungen, insbesondere auch mit den prägenden Beziehungen zu Bezugspersonen der frühen Kindheit steht. Entgegen der landläufig verbreiteten Meinung geht es nicht darum, in der Vergangenheit "herum zu wühlen"  oder nach der Schuld der Eltern zu suchen (die Beschuldigung der Eltern löst nicht die Probleme der Kinder), sondern das konflikthafte Erleben der prägenden Beziehungen und dessen (unbewußte) Übertragung auf aktuelle Beziehungen zu Angehörigen, PartnerInnen, ArbeitskollegInnen etc. zu untersuchen. Die Übertragung ist auch in der Beziehung zu Ihrem Psychotherapeuten (also zu mir) wirksam, weshalb das Erforschen der Prozesse in der therapeutischen Beziehung von besonderem Interesse ist.

Die Therapiestunde stellt Ihnen einen Raum zur Verfügung, in dem Sie sich unter geschützten Bedingungen (feste und regelmäßige Termine, Schweigepflicht) entfalten und sich dabei insbesondere Ihrem inneren Erleben zuwenden können: Gedanken, Erinnerungen, Träume, Phantasien Körperempfindungen, Einfälle (z.B. zum Raum, in dem Sie sich befinden und zum Erleben des Verhaltens der/des Psychotherapeutin/en). Hilfreich ist es, diese so auszusprechen, wie Sie Ihnen in den Sinn kommen, ohne Sie zuvor (beispielsweise auf logische Widersprüche oder beschämende Gefühle) zu untersuchen und zu 'zensieren'. Der Dialog ist deshalb wenig strukturiert (im Sinne der Vorgabe konkreter Themen oder Fragen meinerseits) und entspricht nicht dem üblichen Alltags-Dialog wischen zwei Menschen. Er widmet sich der Erforschung Ihrer Innenwelt, weshalb ich mich mit Bewertungen, Vor- und Ratschlägen, der Suche nach äußeren Lösungen oder theoretischen Erklärungen (etwa zum medizinischen Hintergrund der Erkrankung) zurückhalte. Vielmehr geht es um eine Begleitung bei diesem Prozeß und Hinweise auf versteckte Bedeutungen und Zusammenhänge.

Weitere Informationen zur analytischen und tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie, zur Verhaltenstherapie, neuropsychologischen Psychotherapie sowie zur Gesprächspsychotherapie und systemischen  Therapie (beide Verfahren sind derzeit noch keine Kassenleistung!) und schließlich auch zu Medikamenten finden Sie auf der Webseite der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) unter dem Stichwort Patienten/Wege zur Psychotherapie. Und Sie finden dort auch Antworten auf die Fragen:

Was passiert in einer Psychotherapie?

Wirkt Psychotherapie?

Wer übernimmt die Kosten?

Welche Rechte haben Sie als Patient?

Anmerkung zu psychoanalytischen 'Schulrichtungen':

Die Psychoanalyse hat sich aus dem Werk Sigmund Freuds (1856-1939; www.freud-museum.at) entwickelt. Schon zu Lebzeiten Freunds haben sich einige seiner Schüler von ihm abgewandt und eigene Theorien bzw. Schulen begründet (insbesondere Jung und Adler). In dem nachfolgenden Jahrzehnten hat sich die Psychoanalyse auf dem Hintergrund der gewonnenen Erfahrungen und neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse (z.B. Entwicklungspsychologie, Hirnforschung) weiterentwickelt. Es entstanden viele Richtungen der Psychoanalyse, von denen hier nur einige aufgeführt sind:

Die insbesondere in Berlin und München (Klinik Menterschwaige, Ausbildungsinstitut für Psychoanalytiker und Kindergarten Purzelbaum) tätigen Ammonianer (begründet von Günter Ammon; seit seinem Tod wird die Bewegung von seiner zweiten Frau Maria Ammon angeführt) werden von der größten psychoanalytischen Berufs- und Fachgesellschaft, der Deutschen Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie e.V. (DGPT) sowie von der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung (IPA) nicht anerkannt.

Ich selbst fühle mich dem Werk Freuds verpflichtet, das neben vielen bis heute gültigen Modellen der menschlichen Psyche auch eine Reihe heute nicht mehr zeitgemäßer Gedanken und Theorien enthält und durch viele nachfolgende PsychoanalytikerInnen (Kernberg, Rhode-Dachser, Mentzos, Kohut, Winnicott, Volkan u. v. a.) weiterentwickelt wurde. Es reicht heute insofern nicht mehr aus, nur Freud zu zitieren (so geschieht es immer wieder in den Medien) und daraus dann die Schlußfolgerung zu ziehen, die Psychoanalyse sei eine veraltete bzw. überholte Theorie. Einige Ergebnisse der Neurobiologie (Spiegelneuronen, Gedächtnisforschung, Forschung zum Bewußtsein/freien Willen) sind mit psychoanalytischen Theorien nicht nur kompatibel, sondern deuten auf eine Bestätigung bzw. Verifizierung hin. Aber es gibt auch Konzepte von Freud, die durch Forschung oder aber auch in der modernen Psychoanalyse aufgegeben wurden - so etwa die (männlich zentrierte) Vorstellung Freuds von der weiblichen Sexualität.

Die DPV (Deutsche Psychoanalytische Vereinigung hat gibt einen Überblick über die "Psychoanalytische Theorie – mit und ohne Freud über Freud hinaus".

Behandlungsziel der tiefenpsychologisch fundierten bzw. analytischen Psychotherapie

Psychoanalytisch begründete Verfahren basieren wie erwähnt auf der Grundannahme, daß seelisches und/oder psychosomatisches Leiden durch Konflikte verursacht werden, die der/dem Betroffenen selbst nicht bewußt sind. Das Wesen einer entsprechenden Behandlung beruht darauf, daß sich die unbewußten Konflikte und Beziehungsmuster in einem intensiven therapeutischen Prozeß abbilden (wiederholen) und so erlebt, erkannt, verstanden und verarbeitet werden können. Neben dem Rückgang der aktuellen Beschwerden (Symptome) kommt es dadurch zu einer (im Idealfall) umfassenden Besserung und Gesundung, die ihren Ausdruck u. a. in

Andererseits darf man sich keine Wunder erwarten! Freud äußerte sich bereits 1895 zu diesem Thema:

"Ich habe wiederholt von meinen Kranken, wenn ich ihnen Hilfe oder Erleichterung durch eine kathartische Kur versprach, den Einwand hören müssen: Sie sagen ja selbst, daß mein Leiden wahrscheinlich mit meinen Verhältnissen und Schicksalen zusammenhängt: daran können Sie ja nichts ändern; auf welche Weise wollen Sie mir denn helfen? Darauf habe ich antworten können: — Ich zweifle ja nicht, daß es dem Schicksale leichter fallen müßte als mir, Ihr Leiden zu beheben: aber Sie werden sich überzeugen, daß viel damit gewonnen ist, wenn es uns gelingt, Ihr hysterisches Elend in gemeines Unglück zu verwandeln. Gegen das letztere werden Sie sich mit einem wiedergenesenen Seelenleben besser zur Wehre setzen können" (Freud: Studien über Hysterie: Zur Psychotherapie der Hysterie, GW I: 311-312).

Aus heutiger Sich würde man das Wort "hysterisch" (beruhend auf die zu Freuds Zeiten vorherrschenden bzw. diagnostizierten Symptome und Erkrankungen) ersetzen: (...) wenn es uns gelingt, neurotisches Elend durch (all-) gemeines Unglück zu verwandeln.

Beckett hat in seiner Kurzprosa eine Formulierung gefunden, die das vielleicht anschaulich zum Ausdruck bringt:

 

All of old.

Nothing else ever.

Ever tried.

Ever failed.

No matter.

Try again.

Fail again.

Fail better.

Alles seit je.

Nie etwas andres.

Immer versucht.

Immer gescheitert.

Einerlei.

Wieder versuchen.

Wieder scheitern.

Besser scheitern.

Samuel Beckett: Worstward Ho (1983/1999: 7)

Deutsche Übersetzung vom Autor (J. Thorwart)

Welche Unterschiede bestehen einer zwischen tiefenpsychologisch fundierten und einer analytischen Psychotherapie?

Bereits hinsichtlich des Stundenumfangs und der Wochenfrequenz bestehen Unterschiede. Im ersten Fall können 80-100 Stunden bei einer Wochenstunde, im zweiten Fall 240-300 Stunden bei 3 (ggf. auch 2) Wochenstunden beantragt werden. Die analytische Psychotherapie findet in der Regel im Liegen statt um die Konzentration auf die Vorgänge im eigenen Inneren zu erleichtern und zu fördern. Das Eintauchen in affektiv aufgeladene innere Zustände wird auf diese Weise intensiviert und richtet sich dabei auch auf das Erleben der Beziehung zur/zum Therapeutin/en. Zwar findet der Vorgang auch in der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie statt, jedoch nicht in dieser Intensität: Angesichts des zur Verfügung Stundenkontingents und der einstündigen Wochenfrequenz konzentriert bzw. fokussiert er sich auf das Erleben bestimmter Situationen und Personen.

Für wen kommt eine tiefenpsychologisch fundierte und analytische Psychotherapie in Frage?

Voraussetzung ist zunächst, daß eine psychogene Störung infolge unverarbeiteter Konflikte, erworbener Entwicklungsdefizite, einer Traumatisierung oder psychosozialer Belastungen vorliegt. Es besteht ein Leidensdruck, der sich nicht alleine auf körperliche und/oder psychische Symptome beschränkt, sondern sich auch auf eine beeinträchtigte oder eingeengte Entwicklung (z.B. mangelnde Lebensfreude, mißlingende Beziehungen, Hemmungen im Hinblick auif die private und/oder berufliche Entwicklung) bezieht. Folgende Fähigkeiten sollten vorhanden sein:

Hinzu kommt die Bereitschaft, sich der/m BehandlerIn anzuvertrauen, was nur unter der Voraussetzung möglich ist, daß eine grundsätzliche und spontane Sympathie vorhanden ist und die Überzeugung besteht, daß die/der PsychotherapeutIn  der/dem Patientin/en etwas zu sagen hat*.

Nebenwirkungen

Psychotherapeutische Verfahren berühren (allerdings in unterschiedlicher Intensität) höchst persönliche und intime Themen. Dies gilt in besonderem Maße für die tiefenpsychologisch fundierter und analytischer Psychotherapie, weil es hier in erster Linie um Fragen des (bewußten und unbewußten) Innenlebens geht, die dem Zugriff Dritter (auch nahestehender Angehöriger) aber auch dem Betroffenen selbst (zunächst) entzogen sind. Grundsätzlich besteht bei Durchführung der Psychotherapie das Risiko einer (in der Regel vorübergehenden) Verschlechterung der Befindlichkeit. Durch den intensiven therapeutischen Prozeß kann es insbesondere zu Beginn der Behandlung zu einer Zunahme von körperlichen oder psychischen Symptomen oder auch zur Belastung der Partnerbeziehung oder anderer Beziehungen kommen. Es empfiehlt sich dann, Entscheidungen (Trennung, Heirat, Therapieabbruch etc.) nicht vorschnell zu treffen, sondern sich zunächst mit Hilfe der Therapie über die Vorgänge bewußt zu werden und sie auf dem Hintergrund der eigenen Lebensgeschichte, Konflikte und der therapeutischen Beziehung zu verstehen.

Wissenschaftliche Untersuchungen zur Indikation und Wirksamkeit psychoanalytischer Verfahren

Es ist heute kaum mehr möglich einen fundierten Überblick über entsprechende Untersuchungen zur Wirksamkeit psychoanalytischer Behandlungsverfahren zu geben, obschon das übliche experimentelle Vorgehen (z.B. Zufallsauswahl, Kontrollgruppe) in der Psychotherapie und speziell bei den psychoanalytischen Verfahren an seinen Grenzen stößt. Dennoch ist es bei hohem finanziellen und personellem Aufwand durchaus möglich, entsprechende wissenschaftliche Untersuchungen durchzuführen. Informationen zum Stand der Forschungen auf diesem Gebiet finden Sie auf der Homepage der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung (DPV e. V.). Den entsprechenden Bericht zu "Indikation und Wirksamkeit. Psychoanalyse und psychoanalytische Verfahren in der medizinischen Versorgung" können Sie bei Interesse anklicken.

Weitere Links:


* Der Abschnitt beruht in Teilen auf: Ermann, M. (2016): Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Ein Lehrbuch auf psychoanalytischer Grundlage 6. Auflage Stuttgart: Kohlhammer

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Praxis für Psychoanalyse und Psychotherapie - Dr. Jürgen Thorwart

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