Zitate zur und über die Psychoanalyse

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Ethik

Diese Kollegen, die der Sonne auf ihrem Höhenflug blinder Allmachtsphantasien zu nahe gekommen sind und sich dabei versengt und entehrt haben, sind uns viel ähnlicher, als uns lieb sein mag.

Gabbard, G. O. (2007 [2003]): Mißlungene psychoanalytische Behandlung suizidaler Patienten. In: Zwettler-Otte S (Hrsg.) Entgleisungen in der Psychoanalyse. V&R: Göttingen, 119–142, S. 121


Ethik

The patient has every right to try to seduce the analyst. The analyst has no right to allow himselt to be seduced.

Der Patient hat jedes Recht seinen Analytiker zu verführen. Der Analytiker hat kein Recht sich zu erlauben, sich verführen zu lassen. (Übersetzung JT)

Joseph, B. (2001; persönliche Mitteilung) zit. nach Gabbard, G. O. (2007): Boundaries and Boundary Violations in Psychoanalysis, Second Edition. Arlington: American Psychiatric Association Publishing (Second edition): 69

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Lehranalyse & 'durchanalysierter' PsychoanalytikerIn

Meine Ausführungen wollen vor allem dem gegenüber herausstellen, daß jenseits von Gegenübertragung im nur technischen Sinne, sowie jenseits der durch die eigene Lehranalyse erreichten Lösung eigener Problematik jeder Mensch - auch der bestanalysierte Analytiker Struktureigentümlichkeiten aufweist, die nicht wegzunalysieren sind, auch wenn jemand noch so »durchanalysiert« wird. Wir haben eine Eigenstruktur, die zu uns gehört, eine »persönliche Gleichung«, einen individuellen »Faktor X«, den wegzuleugnen einer Verdrängung gleichkäme.

Riemann, F. (1964): Die Struktur des Analytikers und ihr Einfluß auf den Behandlungsverlauf. In: Grundformen helfender Partnerschaft. Stuttgart: Klett-Cotta, 9. Auflage 2004: 122


Macht

Jeder, der sie [die Psychoanalyse] ausübt, muß die eigenen Machtgelüste kennen, das narzißtische Bedürfnis, Macht über andere auszuüben, und seine eigenen Allmachtsansprüche aus dem Unbewußten, muß diese bei seinen Analysanden wahrnehmen und vor allem durchschauen, wenn sich aus der Übertragung auf seine Person die Verführung ergibt, eine aggressive, auch narzißtisch befriedigende Macht über den Analysanden auszuüben. (...)

In den Analysen besteht die größte Versuchung zur blinden Ausübung von Macht im Rahmen der sogenannten positiven Gegenübertragung. Der Wunsch, Analysanden rasch von quälenden Symptomen zu befreien, ein gestörtes Verhältnis zu Beziehungspersonen, zur Arbeits- und Berufswelt zu normalisieren, mag beim Analytiker zur Bestechung seines Überichs und zur Skotomisierung seiner Machtansprüche einschließlich seines Allmachtswunsches, alles zu heilen, beitragen. Er wird dann nichts anderes leisten als Eltern, »die immer das Beste gewollt« haben, und wird Gefahr laufen, den analytischen Prozeß zu stören, um Anpassung an eigene Erwartungen — einschließlich sozialer Anpassung — zu erzielen.

Parin, P & Parin-Matthèy, G. (1983): Das obligat unglückliche Verhältnis der Psychoanalytiker zur Macht. In: Lohmann, Hans-Martin (Hrsg.): Das Unbehagen in der Psychoanalyse. Frankfurt/Main: Qumran, 17-23 (Zitat: 18)


Selbstanalyse - selbstanalytisches Element

Seit langen habe ich das Gefühl, daß in unserem Leben als Psychoanalytiker etwas Entscheidendes fehlt. (...) Ich meine das selbstanalytische Element, das ich von der Selbstanalyse im engeren Sinne abgrenzen möchte. (...)

Ich denke, es ist uns nicht gelungen, die umfassende Entwicklung einer psychoanalytischen Sensibilität in uns zuzulassen, die uns selbst als belebte Objekte ins Feld des Analysierbaren mit einbezieht. Wir haben die Freude daran verloren, uns von uns selbst verblüffen zu lassen und von einem bestimmten inneren Zustand Gebrauch zu machen, um jene Fähigkeit wachzuhalten, die Freud entwickelte, als er mit seiner Selbstanalyse begann.

Bollas, C. (1997 [1987]). Der Schatten des Objekts. Das ungedachte Bekannte. Zur Psychoanalyse der frühen Entwicklung. Stuttgart: Klett-Cotta, 2. Auflage 2005: 245-247


Unbewußte, das

Die Annäherung an das Unbewußte – das heißt an das, was wir nicht wissen, nicht an das, was wir wissen – ist für den Patienten und den Analytiker zweifellos verstörend. Jeder, der morgen einen Patienten sehen wird, sollte irgendwann Angst verspüren. Im Behandlungszimmer sollten sich grundsätzlich zwei verängstigte Personen aufhalten: der Patient und der Psychoanalytiker. Andernfalls muß man sich fragen, weshalb sie etwas herausfinden wollen, das ohnehin jeder weiß.

Sich mit vertrauten Dingen zu beschäftigen ist immer verlockend. Für Psychoanalytiker ist diese Versuchung größer als für andere Menschen, weil die Psychoanalyse eine der seltenen Situationen ist, in denen man sich einer angsterregenden Beschäftigung widmen kann, ohne auch nur einen Fuß vor die Tür zu setzen.

Bion, W. R. (2010 [1973-74]): Die Brasilianischen Vorträge: Frankfurt/M.: edition diskord: 15


Unbewußte, das & Zweifel

Es gibt bei beiden einen nicht zugelassenen Zweifel; beim Pfarrer bezieht er sich auf Gott, bei den Psychoanalytikern auf das Unbewusste. Offiziell glaubt der Pfarrer an Gott, sonst könnte er seine Aufgabe nicht erfüllen; in gleicher Weise glaubt der Psychoanalytiker offiziell an das Unbewusste und daran, dass es gilt, das Unbewusste aufzudecken. Ich habe aber beobachtet, dass es viele Analytiker gibt, die nicht wirklich daran glauben, sondern es nur vorgeben, weil sie sonst keine Patienten haben könnten. Sie fühlen sich auch der psychoanalytischen Schule zugehörig, in der sie ausgebildet wurden. Sie sind wie die Pfarrer, die an Gott zu glauben vorgeben, weil sie sonst aus ihrer Glaubensgemeinschaft herausfliegen würden. Beiden ist gemeinsam, dass es in Wirklichkeit eine Menge Unglauben, Zweifel und Doppelzüngigkeit gibt und dass sie sich aus dem ganzen Problem mit allen möglichen Rationalisierungen herauszuwinden versuchen.

Noch etwas haben Psychoanalytiker und Pfarrer gemeinsam. Beide haben beständig ein furchtbares Schuldgefühl, weil sie sich selbst betrügen, wenn sie nicht wirklich alles glauben, was sie sagen; der Psychoanalytiker betrügt seinen Patienten, wenn er heimlich denkt, er sei viel kränker als der Patient und es werde mit ihm selbst nie besser; zum anderen lügt er, wenn er dieses Unbewusste noch nie erlebt hat und doch weiterhin von der Lehre vom Unbewussten und über die Heilung durch das Aufdecken des Unbewussten "predigt".

Fromm, E. (1959 [1992g]): Das Unbewusste und die psychoanalytische Praxis (Dealing with the Unconscious in Psychotherapeutic Practice). Gesamtausgabe (12 Bände; hrsg. von Reiner Funk). München: Deutsche Verlags-Anstalt 1999. Band XII: 231f


Voyeurismus

Jede, auch die wissenschaftliche Neugier wird von infantilen, voyeuristischen Regungen getragen; in den Wunsch zu helfen können sich magische Allmachtswünsche einfügen; sogar der unerläßliche Wunsch, den Analysanden zu verstehen, ist ohne eine emotionale Beteiligung nicht möglich, in die unbewusste sexuelle Regungen eingehen.

Parin, P. (1987): Abstinenz? In: Brede, Karola et al. (Hrsg.): Befreiung zum Widerstand. Aufsätze zu Feminismus, Psychoanalyse und Politik. Frankfurt/Main: Fischer Taschenbuch Verlag, 172-178 (Zitat: 174)


 

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Praxis für Psychoanalyse und Psychotherapie - Dr. Jürgen Thorwart

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